Mittwoch, 17. Oktober 2007
Zeitkämpfer 2
roman_ney, 18:00h
Rays Augenlider fielen justament in jenem Moment hinab, als die Melodie seines Handys zu spielen begann. Er dehnte sich hoch, ging zu dem Tisch, verscheuchte die Fliegen, die sich an die Überreste des Frühstücks machten, hob das Telefon auf und nahm das Gespräch an.
"Hi, Vera"
"Ray, du musst mich abholen. Ich bin an der Uni."
Obwohl sie ruhig sprach, konnte Ray eine Nervosität wahrnehmen, die in ihrer Stimme mitschwang.
"Was ist denn?"
"Ich warte in der Cafeteria auf dich- muss aber jetzt auflegen."
Er schob das Gerät in die Hosentasche. Sein T-Shirt lag auf der Lehne eines der Gartenstühle. Während er es anzog, hastete er ins Wohnzimmer.
"Hi, Vera"
"Ray, du musst mich abholen. Ich bin an der Uni."
Obwohl sie ruhig sprach, konnte Ray eine Nervosität wahrnehmen, die in ihrer Stimme mitschwang.
"Was ist denn?"
"Ich warte in der Cafeteria auf dich- muss aber jetzt auflegen."
Er schob das Gerät in die Hosentasche. Sein T-Shirt lag auf der Lehne eines der Gartenstühle. Während er es anzog, hastete er ins Wohnzimmer.
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Montag, 15. Oktober 2007
Zeitkämpfer
roman_ney, 13:58h
Das marode dreigeschossige Gebäude in der City, das auf einem großzügigen Grundstück sich dieser unserer Moderne, der sich allenthalben als himmelerstürmendes solides Glas manifestierende Moderne, erschaffen von verspielten Architekten, denen die Materialien der Zeit beinahe jede mögliche und unmögliche Formgebung erlaubte, verweigerte, sollte längst abgerissen worden sein. Wir wollen hier nicht erörtern, welche Umstände, welche Krisen, welche Begierden dazu führten, dass einer Gruppe, die sich Investoren nannte und Kaufoption auf den Immobilienbesitz der Familie Kontunig besaß, dieses sogenannte Filetstück buchstäblich im Halse steckenblieb und welche ihrer divergenten und äußerst fiaskopotenten Obsessionen Ray Kontunig, einem der beiden gebliebenen juristisch nicht anfechtbaren Erben ihres Stammes, schließlich erlaubten, auf der Dachterasse, die ursprünglich als Balkon des obersten Geschosses angelegt und irgendwann erweitert, seinen speckigen Bauch der Sonne und den Angestellten der Büros über seinem Himmel zu präsentieren. Er war zufrieden. Jene Erbschaft, die seinen Bruder Hanno und ihn zu Feinden gemacht hatte, nach dem die Mutter begraben, lag nun unter ihm, so wie er es wollte. Er hatte Hannos Vorhaben sabotiert, mit den paar Millionen, die sie vom Verkauf ihrer gesamten Erbmasse, die im Grunde nur noch aus diesem exklusiven Grundstück inmitten von H. bestand, nach dem der Vater der beiden, ein exzellenter Taugenichts, das, was er selbst von seinem Vater, der seinerseits als geschäftstüchtiger Chefarzt zu einem unglaublichen Vermögen gebracht, geerbt, gedankenlos und rekordverdächtig im Tempo heruntergewirtschaftet, eingenommen hätten, das letzte bisschen Gefühl der Zugehörigkeit zu etwas Bedeutenderem als das, was sie geworden waren, auszulöschen.
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